Wie hilft Psychotherapie?

Einen Teil unseres Denkens, Fühlens und Handelns können wir uns im Normalfall sehr gut erklären und nachvollziehen. Aber manchmal stehen wir kopfschüttelnd und verständnislos vor uns selbst. Wir verhalten uns scheinbar völlig irrational. Wir wissen, was wir tun müssten, damit es uns besser geht - und tun es nicht. Wir wollen nicht schon wieder hochemotional in einen Konflikt geraten - und sind schon mittendrin. Wir haben gelernt, welche Menschen uns gut tun - und verbringen viel Zeit mit den anderen...

Die tiefenpsychologische Therapie geht davon aus, dass vieles, was uns bewegt, unbewusst geschieht. Manche Erfahrungen waren so schmerzhaft, dass wir gelernt haben, sie aus unserem Bewusstsein fernzuhalten. Andere stammen aus einer Zeit, an die wir uns gar nicht bewusst erinnern können – sie haben uns dennoch tief geprägt.

Was heute unverständlich oder belastend erscheint, hatte oft einmal einen guten Grund. Viele Verhaltensweisen, Gefühle oder innere Reaktionen haben uns früher geholfen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Auch wenn sie heute vielleicht nicht mehr hilfreich sind, verschwinden sie nicht einfach. Sie erfüllen häufig noch immer eine Funktion – auch wenn wir sie nicht mehr erinnern.


Ein wichtiger Teil der Therapie besteht deshalb darin, diese Zusammenhänge (wieder) zu sehen, denn wer sich selbst besser versteht, kann neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln.

Verstehen allein reicht jedoch oft nicht aus. Wir entwickeln uns in Beziehungen – und viele unserer Schwierigkeiten entstehen oder zeigen sich ebenfalls in Beziehungen. Deshalb ist die therapeutische Beziehung ein zentraler Bestandteil der tiefenpsychologischen Therapie. Sie bietet einen geschützten Raum, in dem alte Erfahrungen spürbar werden dürfen, ohne dass sie sich wiederholen müssen und neue vorsichtig getestet werden können. Dadurch wird es möglich, sich selbst und seine Mitmenschen anders zu erleben. Das führt zu mehr innerer Freiheit und der Bereitschaft, anders Verantwortung für sich zu übernehmen.